Das Alternative Geldsystem
Wie von Ellen Brown vielfach darauf hingewiesen gehört die Schöpfung des Geldes in die öffentliche Hand. Hier ist die Idee von Prof. Bernd Senf (siehe Vortrag unter Alpenparlament.TV) sehr überlegenswert, neben der exekutiven, legislativen und judikativen Staatsgewalt noch eine vierte, monetäre einzuführen.
Wie soll aber mit dem Zinssystem verfahren werden? Soll das Modell des Sylvio Gesell übernommen werden, in dem der Besitz von Geld durch dessen schleichenden Wertverlust unattraktiv gemacht und zum Ausgeben von Geld animiert werden soll? Auf dem ersten Blick scheint für das für viele die Lösung sein - bei genauer Betrachtung drängen sich jedoch folgende Probleme auf: ein auf einem reinen Selbstzweck basierender Geldumlauf regt zum Kauf von allen möglichen ein - Hauptsache man entgeht dem Wertverlust des Geldes. Problematisch ist dies für die Umwelt: noch mehr kurzlebiger Müll wird produziert um der steigenden Nachfrage nachkommen zu können. Auch drängt sich ein zweites Problem auf: stellen wir uns vor, ein Kartoffelbauer will im nächsten Jahr seine Scheune erweitern und kann so seinen Kartoffelacker nicht bestellen. Er bittet dem Nachbarn, auch ein Kartoffelbauer, ihm dessen Überproduktion zu leihen. Gesagt - getan. Ein Jahr später will nun der besagte Nachbar einen Fischteich anlegen und kann so auch seinen Kartoffelacker nicht bestellen. Er bittet nun um die Rückgabe der verliehenen Kartoffeln. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich um eine gerechte Situation handelt. Beide Bauern haben gleich viele Kartoffeln gegeben und wieder zurückerhalten. Die verliehenen Kartoffeln stammten jeweils aus einer Überschussproduktion und wurden so im Wert erhalten, ohne dass sie durch eine zu lange Lagerung zu faulen begannen. Sie wurden auch nicht mehr und auch nicht weniger. Hätten die Kartoffeln im Wert verloren (so Sylvios Modell), so hätte der zweite Bauer dem ersten weniger zurückgeben müssen als er damals selbst erhalten hatte.
Zurück zu unserem Geldsystem: nicht wesentlich ausschlaggebend ist, wieviel Geld an sich im Kreislauf ist. Vielmehr kommt es auf das Produkt von Geld und Umschlagshäufigkeit pro Jahr an. Pumpt beispielsweise die EZB wie 2009 geschehen 441 MRD EUR in den Markt, so ergibt sich keine Inflation, wenn das Geld nicht im Warenkreislauf landet sondern von den Banken gehortet und “zum Zocken verwendet” wird. Andererseits würde ein (inszenierter) Bankenrun auch bei gleichbleibender Geldmenge den Bürgern das Vertrauen in das System zerstören. Ein Ausgeben des Geldes, ein sich trennen wollen davon, würde in Form einer hohen Inflation die Folge sein.
Für die Wirtschaft ausschlaggebend ist also das Produkt aus Geld und Umschlagshäufigkeit. Horten die Bürger ihr Geld, so ist das deswegen kein Problem, da es sich dabei nur um Papier unter dem Kopfkissen (salopp ausgedrückt) handelt. Im Falle des Hortens kann der Staat durch die Herausgabe neuen Geldes den Kreislauf dadurch wieder ankurbeln, indem er dieses den Kreditsuchenden zur Verfügung stellt. Geht das Horten des Geldes durch die Bürger zurück, so wird einfach die Vergabe von Krediten zurückgefahren. Die Kreditraten werden weiter einkassiert und einbehalten, das Produkt aus Geldmenge und Umschlagshäufigkeit geht wieder zurück in seinen Ursprungszustand.
